ActivityPub ist ein offenes Protokoll für föderierte soziale Netzwerke. „Föderiert“ bedeutet: Viele unabhängige Server, oft „Instanzen“ genannt, kommunizieren miteinander, ohne dass eine zentrale Plattform alle Konten, Inhalte und Beziehungen kontrolliert. Das Prinzip ist technisch mit E-Mail vergleichbar: Ein Konto auf einem Server kann mit Konten auf anderen Servern interagieren, sofern die beteiligten Systeme dieselben Standards unterstützen. ActivityPub wurde vom W3C als Recommendation veröffentlicht und basiert auf ActivityStreams 2.0, einem JSON-basierten Datenmodell für soziale Aktivitäten. (w3.org)

Für Websitebetreiber, Domaininhaber, Shared-Hosting-Nutzer und E-Mail-Poweruser ist ActivityPub besonders interessant, weil es digitale Identität wieder stärker an eigene Domains, eigene Inhalte und selbst gewählte Hosting-Umgebungen koppelt. Statt Inhalte ausschließlich in geschlossenen Plattformen zu veröffentlichen, können Websites, Blogs, Community-Systeme oder Social-Network-Anwendungen Teil des Fediverse werden – also des Netzwerks föderierter Dienste, zu denen unter anderem Mastodon, Friendica, PeerTube, Pixelfed, Lemmy und WordPress mit ActivityPub-Erweiterung zählen.

Was ist ActivityPub?

ActivityPub definiert, wie soziale Objekte und Aktivitäten zwischen Systemen ausgetauscht werden. Soziale Objekte können zum Beispiel Beiträge, Kommentare, Bilder, Videos, Profile oder Abstimmungen sein. Aktivitäten beschreiben Handlungen: Ein Benutzer veröffentlicht einen Beitrag, folgt einem Profil, liked einen Beitrag, teilt einen Inhalt oder löscht eine Veröffentlichung.

Technisch unterscheidet ActivityPub zwei zentrale Bereiche:

  • Client-to-Server-Kommunikation, also die Kommunikation zwischen Anwendung und Server, etwa wenn ein Client einen Beitrag erstellt.
  • Server-to-Server-Kommunikation, also die Föderation zwischen Servern, bei der Inhalte, Benachrichtigungen und Beziehungen an andere Instanzen zugestellt werden. (w3.org)

In der Praxis ist vor allem die Server-to-Server-Föderation relevant. Viele bekannte Fediverse-Anwendungen nutzen eigene Web- oder App-Clients, verwenden ActivityPub aber, um über Servergrenzen hinweg miteinander zu sprechen.

Grundbegriffe: Actor, Inbox, Outbox und Activity

Actor

Ein Actor ist in ActivityPub eine handelnde Identität. Das kann eine Person sein, aber auch eine Organisation, eine Anwendung, ein Bot oder ein Service. Ein Actor besitzt typischerweise ein Profil, eine öffentliche Kennung und technische Endpunkte, über die Aktivitäten empfangen oder veröffentlicht werden.

Ein Mastodon-Konto wie @[email protected] oder ein Friendica-Profil ist aus ActivityPub-Sicht ein solcher Actor. Auch ein WordPress-Blog kann über ein ActivityPub-Plugin als Actor auftreten, sodass andere Fediverse-Nutzer dem Blog folgen können.

Inbox und Outbox

ActivityPub arbeitet mit dem Bild von Posteingang und Postausgang:

  • Die Inbox empfängt Aktivitäten anderer Akteure.
  • Die Outbox enthält Aktivitäten, die ein Actor veröffentlicht oder auslöst.

Wenn ein Benutzer einen Beitrag erstellt, landet eine entsprechende Create-Aktivität in der Outbox. Andere Server erhalten diese Aktivität in ihren Inboxes, sofern sie relevant sind – etwa weil dort Follower des Profils liegen. Das ist konzeptionell einfach, aber in der Umsetzung anspruchsvoll, weil Zustellung, Wiederholversuche, Signaturen, Moderation und Missbrauchsschutz berücksichtigt werden müssen.

ActivityStreams 2.0 und JSON-LD

ActivityPub nutzt ActivityStreams 2.0 als Datenformat. ActivityStreams beschreibt Aktivitäten und Objekte in JSON-LD. JSON-LD ist eine JSON-Variante, mit der Daten maschinenlesbar und semantisch eindeutig beschrieben werden können. ActivityStreams 2.0 stellt dafür ein Vokabular bereit, etwa für Person, Note, Create, Follow, Like oder Announce. (w3.org)

Ein stark vereinfachtes ActivityPub-Objekt kann so aussehen: 

{
  "@context": "https://www.w3.org/ns/activitystreams",
  "type": "Create",
  "actor": "https://social.example/users/alice",
  "object": {
    "type": "Note",
    "content": "Hallo Fediverse!"
  }
}

Das Beispiel zeigt den Kern: Ein Actor führt eine Aktivität aus, die sich auf ein Objekt bezieht.

Wie ActivityPub in der Praxis funktioniert

Discovery über WebFinger

Damit ein Benutzer ein Profil auf einem fremden Server finden kann, braucht es einen Discovery-Mechanismus. Hier kommt häufig WebFinger zum Einsatz. WebFinger ist in RFC 7033 definiert und nutzt den Pfad /.well-known/webfinger, um Informationen zu einer Ressource abzurufen. Im Fediverse wird damit etwa ein Handle wie @[email protected] in maschinenlesbare Profildaten und ActivityPub-Endpunkte aufgelöst. (rfc-editor.org)

Für Domaininhaber ist das besonders relevant: Die eigene Domain wird zur Identitätsbasis. Wenn Sie Fediverse-Profile unter Ihrer eigenen Domain betreiben oder delegieren möchten, müssen DNS, HTTPS, Webserver-Routing und .well-known-Pfade sauber funktionieren.

Föderation und Zustellung

Wenn ein Profil einem anderen Profil folgt, tauschen die beteiligten Server entsprechende Follow- und Accept-Aktivitäten aus. Wird anschließend ein Beitrag veröffentlicht, stellt der sendende Server diesen an die relevanten Empfänger zu. Das kann einzelne Nutzer, Follower-Sammlungen oder öffentliche Empfänger betreffen.

In Mastodon werden zum Beispiel Aktivitäten wie Create, Delete, Like, Announce, Update, Undo und Flag verarbeitet. Mastodon transformiert eingehende ActivityPub-Objekte wie Note in Statusbeiträge und nutzt zusätzliche Eigenschaften unter anderem für Sichtbarkeit, Erwähnungen, Hashtags, Inhaltswarnungen und Medien. (docs.joinmastodon.org)

Signaturen und Vertrauen

Fediverse-Server müssen prüfen können, ob eine eingehende Aktivität tatsächlich von dem Server stammt, der sie vorgibt. Dafür werden in der Praxis HTTP-Signaturen beziehungsweise verwandte Signaturmechanismen verwendet. Der ActivityPub-Standard selbst beschreibt das soziale Protokoll, während konkrete Sicherheits- und Interoperabilitätsdetails durch Implementierungen, Community-Berichte und Fediverse-Konventionen ergänzt werden. (swicg.github.io)

Für Betreiber bedeutet das: HTTPS ist Pflicht, korrekte Header-Verarbeitung ist wichtig, und Reverse-Proxies oder Caching-Layer dürfen Signaturprüfung und Zustellung nicht unbeabsichtigt stören.

ActivityPub, Mastodon und Friendica

Mastodon

Mastodon ist die bekannteste ActivityPub-Anwendung und wird häufig als Synonym für das Fediverse wahrgenommen. Technisch ist Mastodon aber nur eine Implementierung. Mastodon nutzt ActivityPub für die Föderation zwischen Instanzen, sodass Nutzer verschiedener Mastodon-Server und anderer kompatibler Dienste miteinander interagieren können. Die Mastodon-Dokumentation beschreibt ActivityPub als dezentrales Social-Networking-Protokoll auf Basis von ActivityStreams 2.0 und JSON-LD. (docs.joinmastodon.org)

Für Hosting-Interessierte ist wichtig: Mastodon ist keine typische Shared-Hosting-Anwendung. Die offizielle Installation setzt unter anderem Root-Zugriff auf einen Server, eine Domain, SMTP-Versand, PostgreSQL, Redis, Node.js, Ruby/Rails-Komponenten, Webserver-Konfiguration und mehrere Hintergrundprozesse voraus. (docs.joinmastodon.org)

Mastodon eignet sich daher eher für VPS-, Root-Server- oder Managed-Server-Szenarien als für klassisches Shared Hosting.

Friendica

Friendica ist eine weitere Fediverse-Anwendung, die stärker an klassische soziale Netzwerke erinnert und neben ActivityPub auch weitere Protokolle unterstützt. Die Friendica-Föderationsdokumentation nennt unter anderem ActivityPub, WebFinger, HTTP Signatures, NodeInfo, Diaspora-Protokoll und DFRN als unterstützte Standards beziehungsweise Protokolle. (git.friendi.ca)

Für Shared-Hosting-Nutzer ist Friendica besonders interessant, weil das Projekt ausdrücklich versucht, auf üblichen Hosting-Plattformen zu laufen, wie sie auch für WordPress- oder Drupal-Websites verwendet werden. Gleichzeitig weist die Dokumentation darauf hin, dass Friendica mehr als eine einfache Webanwendung ist und eher einem Kommunikationssystem mit Hintergrundverarbeitung ähnelt. Voraussetzungen sind unter anderem PHP, MySQL beziehungsweise MariaDB, Apache mit mod_rewrite, PHP-CLI, verschiedene PHP-Erweiterungen, funktionierender Mailversand und Cronjobs für Hintergrundprozesse. (wiki.friendi.ca)

Damit ist Friendica näher an klassischem Webhosting als Mastodon, aber nicht so unkompliziert wie ein statischer Webauftritt oder ein kleines CMS.

ActivityPub und Shared Hosting

Für Shared-Hosting-Kunden stellt sich vor allem die Frage: Kann man ActivityPub ohne eigenen Server nutzen?

Die Antwort lautet: Ja, aber abhängig von der Anwendung.

Ein vollständiger Mastodon-Server ist für Shared Hosting in der Regel nicht geeignet, weil dauerhaft laufende Hintergrundprozesse, Redis, PostgreSQL, Websocket- beziehungsweise Streaming-Komponenten und administrative Systemrechte benötigt werden. Friendica kann unter bestimmten Voraussetzungen auf Shared Hosting laufen, benötigt aber Cronjobs, PHP-CLI, passende Erweiterungen und eine zuverlässige Datenbankanbindung. WordPress mit ActivityPub-Plugin ist für viele Websitebetreiber der niedrigschwelligste Einstieg, weil ein bestehender Blog föderierbar wird.

Das offizielle WordPress-Plugin „ActivityPub“ macht ein WordPress-Blog zu einem föderierten Profil und legt zusätzlich Profile für Autoren an. Laut Plugin-Verzeichnis setzt es aktuell WordPress 6.5 oder höher und PHP 7.4 oder höher voraus. (wordpress.org)

Für semiprofessionelle Webseitenbetreiber ist das besonders attraktiv: Blogbeiträge können im Fediverse abonniert, kommentiert und geteilt werden, ohne dass die eigene Website vollständig in eine Social-Media-Plattform umgebaut werden muss.

Relevanz für Domaininhaber

ActivityPub verschiebt digitale Sichtbarkeit zurück zur Domain. Während zentrale Plattformen Identität meist über Plattform-Handles definieren, kann das Fediverse Identität stärker an eigene Domains koppeln. Das ist für Unternehmen, Vereine, Redaktionen, Selbstständige und Projekte interessant.

Wichtige technische Punkte für Domaininhaber sind:

  • HTTPS/TLS: ActivityPub-Kommunikation sollte ausschließlich verschlüsselt erfolgen.
  • DNS: Die Domain oder Subdomain muss sauber auf den Server zeigen.
  • WebFinger: Der Pfad /.well-known/webfinger muss erreichbar sein.
  • Permalinks: Beiträge und Profile sollten stabile URLs haben.
  • Weiterleitungen: Falsch konfigurierte Redirects können Discovery und Signaturprüfung stören.
  • Subdomains: Für Fediverse-Dienste sind Subdomains wie social.example.de oft sinnvoll.
  • Reputation: Wie bei E-Mail spielt die Reputation der eigenen Instanz eine Rolle, etwa bei Moderation, Blocklisten und Vertrauensentscheidungen anderer Server.

Gerade E-Mail-Poweruser erkennen viele Parallelen: Föderation, DNS-basierte Identität, Zustellung zwischen Servern, Missbrauchsbekämpfung und Reputation sind aus der E-Mail-Welt vertraut. ActivityPub ist allerdings kein E-Mail-Protokoll. Es transportiert soziale Aktivitäten, nicht klassische Nachrichten im SMTP-Sinn.

Datenschutz, DSGVO und Kontrolle

ActivityPub kann Datenschutzvorteile bieten, weil Betreiber nicht zwingend von Big-Tech-Plattformen abhängig sind. Eine eigene Instanz oder ein selbst gehosteter Blog erlaubt mehr Kontrolle über Datenhaltung, Moderation, Logs, Backups und Anbieterwahl. Für Kundinnen und Kunden in Deutschland ist dabei besonders relevant, wo Daten gespeichert und verarbeitet werden.

Gleichzeitig ist ActivityPub nicht automatisch „privat“. Föderation bedeutet, dass Inhalte an andere Server übertragen werden können. Öffentliche Beiträge sind öffentlich, und auch eingeschränkt adressierte Beiträge können technisch auf mehreren Servern verarbeitet werden. Betreiber sollten daher klar kommunizieren, welche Sichtbarkeitsstufen gelten, welche Logs entstehen und wie lange Medien, Beiträge und Metadaten gespeichert werden.

Für professionelle Nutzung empfehlen wir, ActivityPub nicht nur als Social-Media-Funktion zu betrachten, sondern als Teil der gesamten Web- und Kommunikationsarchitektur: Domainstrategie, Hosting, Datenschutz, Moderation, Backup, Monitoring und E-Mail-Zustellung gehören zusammen.

Vorteile und Grenzen von ActivityPub

Vorteile

ActivityPub bietet mehrere strategische Vorteile:

  • Unabhängigkeit von einzelnen Plattformbetreibern
  • Nutzung eigener Domains als Identitätsanker
  • Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Anwendungen
  • Stärkung von Open Source und offenen Standards
  • Föderierte Reichweite ohne vollständige Zentralisierung
  • Möglichkeit zum Selfhosting oder Hosting bei vertrauenswürdigen Anbietern

Grenzen

Es gibt aber auch technische und organisatorische Grenzen:

  • Interoperabilität ist nicht immer vollständig, weil Anwendungen ActivityPub unterschiedlich erweitern.
  • Moderation ist dezentral und daher komplexer als bei einer zentralen Plattform.
  • Medien-Caching kann Speicherbedarf erzeugen.
  • Zustellung kann durch blockierte Instanzen, defekte Signaturen oder fehlerhafte WebFinger-Konfiguration scheitern.
  • Backups müssen Datenbank, Konfiguration, Medien und Anwendungsschlüssel berücksichtigen.
  • Private Kommunikation ist nicht automatisch Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Wer ActivityPub produktiv einsetzen möchte, sollte diese Punkte früh berücksichtigen.

ActivityPub im Webhosting-Kontext

Aus Hosting-Sicht ist ActivityPub kein einzelnes Produkt, sondern eine Protokollschicht, die von Anwendungen genutzt wird. Die Anforderungen hängen stark davon ab, ob Sie ein WordPress-Blog föderieren, eine Friendica-Instanz betreiben oder eine Mastodon-Community hosten möchten.

Für Shared Hosting sind vor allem folgende Szenarien realistisch:

  • WordPress mit ActivityPub-Plugin
  • Friendica bei erfüllten PHP-, Datenbank- und Cron-Voraussetzungen
  • kleinere PHP-basierte Fediverse-Anwendungen, sofern Anforderungen passen

Für VPS oder dedizierte Server kommen hinzu:

  • Mastodon
  • größere Friendica-Instanzen
  • PeerTube, Pixelfed, Lemmy oder andere spezialisierte Dienste
  • Setups mit Redis, PostgreSQL, Queue-Workern, Objekt-Speicher und Reverse Proxy

Aus unserer Sicht ist entscheidend, den Einstieg passend zur eigenen Zielsetzung zu wählen. Wer nur Blogbeiträge ins Fediverse bringen möchte, braucht keine komplette Mastodon-Instanz. Wer dagegen eine Community betreiben möchte, sollte Serverressourcen, Moderation und Wartungsaufwand realistisch planen.

Zusammenfassung

ActivityPub ist ein offener W3C-Standard für föderierte soziale Kommunikation und bildet eine wichtige technische Grundlage des Fediverse.

Für Domaininhaber und Websitebetreiber eröffnet ActivityPub die Möglichkeit, eigene Inhalte, Profile und Communities unabhängiger von zentralen Plattformen sichtbar zu machen.

Mastodon ist die bekannteste ActivityPub-Anwendung, benötigt aber typischerweise Serverzugriff und mehrere Backend-Komponenten; Friendica ist stärker shared-hosting-nah, stellt aber ebenfalls höhere Anforderungen als einfache Webanwendungen.

Für viele WordPress-Nutzer ist ein ActivityPub-Plugin der pragmatischste Einstieg, um bestehende Inhalte föderierbar zu machen.

Wer ActivityPub professionell nutzt, sollte Hosting, Domainkonfiguration, HTTPS, WebFinger, Moderation, Datenschutz und Backups gemeinsam betrachten.

Fragen, die dieser Text beantwortet

  • Was ist ActivityPub?
  • Wie funktioniert ActivityPub technisch?
  • Was bedeuten Actor, Inbox, Outbox und Activity?
  • Welche Rolle spielen ActivityStreams 2.0 und JSON-LD?
  • Warum ist WebFinger für ActivityPub wichtig?
  • Wie hängen ActivityPub, Fediverse, Mastodon und Friendica zusammen?
  • Ist ActivityPub für Shared Hosting geeignet?
  • Welche Anforderungen stellen Mastodon, Friendica und WordPress mit ActivityPub?
  • Warum ist ActivityPub für Domaininhaber interessant?
  • Welche Datenschutz- und DSGVO-Aspekte sollten Betreiber beachten?
  • Welche Vorteile und Grenzen hat ActivityPub im professionellen Webhosting-Kontext?